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Ein Kaffee mit Jay Jules

Aktualisiert: 27. Nov 2019

Berndeutsch eignet sich gut, um Musik zu machen, wie bereits zahlreiche Künstlerinnen und Künstlerinnen bewiesen haben. Um nur einige Namen zu nennen: Wurzel 5, Greis, Baze, Tommy Vercetti, Dezmond Dez, Steff la Cheffe, Nativ, Dawill, die ganze Chaostruppe und zahlreiche Andere, die weit über die Dialektgrenze hinaus bekannt sind.


Trotzdem hat sich Jay Jules (oder Julien, für seine Freunde) für einen anderen Weg entschieden. Der 26-jährige ist zwar in Biel und Bern aufgewachsen, rappt aber auf Englisch. Auf Spotify sowie auf Apple Music findet man seit Januar 2019 seine EP - One Shot. In einem Talk haben wir Jay näher kennen gelernt und Einblicke in seinen Musikalltag erhalten.



Vandals with Headphones: In Biel bilingue aufgewachsen und trotzdem sind deine Lieder auf Englisch und nicht etwa auf (Schweizer-)Deutsch oder Französisch. Wieso?

Jay Jules: Ich mag es mich als «Third Culture Kid» zu bezeichnen, meine Mutter hat mir die Deutsche Sprache beigebracht und mein Vater die Französische. Doch ich wollte mein eigenes Ding finden und habe mich mit der Englischen Sprache in der Musik sofort zurechtgefunden. Auf Englisch hört sich meine Musik auch so an, wie ich sie fühle.


VWH: War Musik schon immer deine Leidenschaft?

JJ: Eigentlich schon. Als ich drei Jahre alt war, kam ich zum ersten Mal leidenschaftlich mit Musik in Kontakt. Mein Vater schenkte mir zwei Singles: «Changes» von Tupac sowie «I see you when you get there» von Coolio. Später intensivierte sich dann meine Liebe für die Musik, als ich mit meinem noch jungen Onkel zusammen Künstler wie DMX, Dr. Dre, Nas oder Ludacris hörte.


Bereits damals wollte ich mein Leben mit der Musik verbinden, es fühlte sich so richtig an. Mit etwa elf Jahren begann ich dann mit den ersten «Witz-Tracks». Etwa fünf Jahre später begann ich dann als 16-Jähriger mit ernsteren Stücken.


VWH: Und irgendwann kamen die Gigs dazu...

JJ: Genau: In diesem Jahr durfte ich am Gurtenfestival auf der Camp Fire Stage spielen. Zusammen mit der Gustav Akademie gab es ebenfalls in diesem Jahr ein kleines Konzert in London, wo jeder Künstler mit einem Track selber auftreten durfte. Sonst spielte ich bisher einmal in Luzern sowie zwei Mal in Zürich.


In Bern hatte ich bisher natürlich die meisten meiner Auftritte: Den Gaskessel, die Turnhalle sowie den Dachstock habe ich bereits bespielt, Bierhübeli und ISC fehlen mir noch.


VWH: Du bist zwar Jay Jules, aber auch ape jewel$. Wie unterscheiden sich diese beiden Kunstfiguren voneinander?

JJ: Mit Jay Jules habe ich eher den überlegten Rapper geschaffen, wie bereits erwähnt beschreibe ich mich allgemein als Third Culture Kid, ich bin weder Berner noch Bieler, weder Schweizer noch Kongolese und bin trotzdem beides. Ich mag es die Klischees zu brechen.


Manchmal mag ich es jedoch auch Musik aufzunehmen, ohne dass ich mir zu viele Gedanken machen muss. Für diese Fälle habe ich einen anderen Charakter geschaffen: ape jewel$. Dort geht es mehr darum Spass zu haben. Seit sechs Monaten läuft nun auf Radio Couleur 3 sogar meine/seine Single «LOAF»..



VWH: Und als Musikhörer, was bist du für ein Typ, Stereo oder Headphones?

JJ: Stereo all day! Wenn man die Musik über Stereo abspielt, kann man sie im ganzen Raum spüren. Obwohl ich natürlich auch gerne die Musik über die Headphones abspiele, damit man die Klänge auch besser voneinander trennen kann.


VWH: Als junger Künstler hat man es nicht immer einfach. Wie kann man als Zuhörer Künstler am besten auf ihrem Weg unterstützen?

JJ: Am besten wenn man die Musik nicht nur streamt sondern auch kauft. Praktisch ist es, diese zu kaufen und danach zu streamen. Es geht aber eigentlich gar nicht nur ums Geld: Wichtig finde ich es auch, dass man sich mit der Musik auseinandersetzt und zu verstehen versucht, was die Hintergründe bei jedem Song sind.


Ausserdem ist der Besuch an Konzerten natürlich eine willkommene Art, mich zu unterstützen. Wenn ich live auftrete, mache ich dies meist mit REEL BEATZ, das heisst Bass und Drum werden live gespielt. Allgemein würde ich die Musik live am Konzert als eine meiner Stärken zählen und einen Besuch jedem empfehlen.


VWH: Apropos: Auf was dürfen wir uns in Zukunft freuen?

JJ: Ich arbeite fleissig an mehreren Singles und an verschiedene Kollaborationen mit anderen Produzenten. Im Moment mag ich es, mich frei zu bewegen, erwarten darf man eher Singles sowie hie und da eine EP. Ein Album habe ich nächstens noch nicht geplant, ist aber langfristig natürlich ein Ziel.


VWH: Zum Schluss noch eine zentrale Frage: Wenn Ausserirdische auf die Welt kommen würden, welche drei Platten würdest du ihnen empfehlen?

JJ: Das ist eine sehr schwierige Frage! Ich glaube sie müssten sich bei mir mehrere Tage wenn nicht Monate Zeit nehmen. Als Favorit würde ich ihnen «Me Against the World» von Tupac hören lassen; da gibt es keinen einzigen Track den ich beim Hören überspringe.


Danach entweder von J. Cole «Forest Hills Drive» oder Kendrick Lamar «To pimp a butterfly». Die Alben sind zwar absolut nicht vergleichbar, aber ich könnte mich selbst nicht entscheiden. Zum Schluss stände ich wieder vor einer schwierigen Wahl: entweder «Chronology» von Chronixx oder «Françafrique» von Tiken Jah Fakoly.


Wir werden den jungen Künstler sicher auf unserem Radar behalten! Weitere Infos zu Jay Jules und seinen Auftritten findet ihr hier: https://jayjules.net/ oder auf seinem Instagram Account jayjulesnet.



vandals with headphones - Bern - #vwh

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