Musik aus der Haft

Verschiedene Musiker haben in ihrem Leben eine mehr oder weniger lange Zeit hinter Gittern verbracht, wie neulich auch Asap Rocky. Bei einigen Künstlern geschah dies vor dem grossen Erfolg und war zum Teil sogar eine Inspiration für ihre Musik. Im besten Fall war die Zeit im Gefängnis eine Art «Ruhe vor dem Sturm», in der Texte geschrieben und reflektiert wurde.


Nicht alle hatten aber dieses Glück: Einige Musiker mussten während ihrer Karriere eine Haftstrafe absitzen. Trat dieser Fall ein, mussten sich die Künstler etwas einfallen lassen, um während ihrer Zeit im Gefängnis nicht ganz von der Bildfläche zu verschwinden. So ist die Musik-Geschichte voll von Musikern, die während ihren Haftstrafen Musik veröffentlicht haben. Doch wie funktioniert das?


Zuerst aufnehmen – dann ins Gefängnis

Eine Möglichkeit ist, Songs vor der Haftstrafe aufzunehmen und dann während der Haftstrafe von einer anderen Person veröffentlichen lassen. Natürlich funktioniert dies nur, wenn ein Künstler weiss, dass er eine Strafe absitzen muss. Ausserdem kann es bei längeren Haftstrafen schwierig werden, den Nerv der Zeit zu treffen: Die Musikindustrie läuft so schnell, dass ein bestimmter Sound nach wenigen Monaten bereits wieder alt klingen kann.


Weiter muss man viel Vertrauen in eine Person oder in ein Label aufbringen, um ihr die Aufgabe zu geben, die eigenen Songs zu veröffentlichen: Die Karriere eines Künstlers kann davon abhängig sein, wie, wann und wo ein bestimmter Track veröffentlicht wird.


Platz eins – trotz Haftstrafe

Dass diese Variante aber durchaus klappen kann, zeigte Tupac Shakur höchstpersönlich mit seinem Album «Me against the world». Dieses erschien am 14. März 1995. Zu dieser Zeit sass Tupac bereits seit einem Monat in Dannemora (New York) eine Haftstrafe ab.


Dies hatte bekanntlich keinen negativen Einfluss auf den Erfolg des Albums: In der ersten Woche nach der Veröffentlichung stand es bereits auf dem ersten Platz der Billboard Charts. Ausserdem wird es von vielen Kritikern als das beste Album von Tupac bezeichnet, zum Teil sogar als das beste Hip-Hop-Album überhaupt. Vor der Haft aufnehmen und während der Zeit im Gefängnis releasen kann also funktionieren.


Interessanter Fakt nebenbei: Nach Tupac sassen noch andere Rapper ihre Haftstrafen im «Clinton Correctional Facility»-Gefängnis in Dannemora (New York) ab. So etwa Ol’ Dirty Bastard und neulich Bobby Shmurda.



Vom Gefängnis in die Welt

Das Gefängnis selbst kann eine grosse Inspirationsquelle sein. Hinter Gittern in einem Studio aufzunehmen ist hingegen nicht immer einfach. So gibt es, besonders in den USA, verschiedene Künstler, die entschieden haben, ihre Songs telefonisch aufzunehmen. Es gibt sogar Alben, oder zumindest Teile davon, die auf diese Weise aufgenommen wurden.


So etwa «BurrrPrint 2» von Gucci Mane. Dabei handelt es sich um ein Mixtape, bei dem mehrere Parts aus Telefongesprächen zwischen Gucci Mane und dem Producer Drumma Boy stammen. Das Intro «Intro Live from Fulton County Jail» ist einer dieser Tracks. Doch, laut Drumma Boy, gibt es andere Parts, die ebenfalls telefonisch aufgenommen wurde. Er erklärte in einem Interview, dies sei sehr anspruchsvoll gewesen, da die Parts am Telefon nicht immer perfekt auf dem Beat gewesen seien. Deshalb musste er oft zuerst den Part telefonisch aufnehmen und dann erst einen Beat bauen, der dazu passte. Ist also etwas umständlich, funktioniert aber offenbar auch.



In Haft recorden

Im Gefängnis selbst ist es zum Teil auch möglich, Songs aufzunehmen. Es gibt verschiedene Projekte, die Insassen helfen sollen, sich durch Musik zu rehabilitieren und auf das Leben ausserhalb des Gefängnisses vorzubereiten.

In Grossbritannien gibt es beispielsweise «InHouse Records». Es handelt sich dabei um ein Label, das Musik mit Gefängnisinsassen produziert. Es nehmen auch Leute teil, die vor ihrer Haftstrafe noch nie Musik gemacht haben.


2019 will das Label etwa zehn Songs von Insassen veröffentlichen. Dies allerdings unter besonderen Auflagen: Ist ein Künstler bei Veröffentlichung seines Songs noch im Gefängnis, wird dieser nicht unter seinem Namen veröffentlicht, sondern einfach unter dem Namen des Labels. Ausserdem geht ein Teil der Einnahmen (sollte es Einnahmen geben) an Organisationen, die den Opfern von Kriminalität helfen. Obwohl Inhouse Records einen Deal mit Universal hat, geht es laut den Gründern nicht primär um kommerziellen Erfolg, sondern darum, den Gefängnisinsassen eine Perspektive zu geben.


Auch in anderen Ländern gibt es Projekte, bei denen Gefängnisinsassen Musik machen können. Dabei handelt es sich aber meistens eher um Gefängnisinterne Workshops oder die Möglichkeit, ein Musikinstrument zu spielen. Musik aufzunehmen und veröffentlichen bleibt hingegen ein schwieriges Unterfangen.

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